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- 04. Februar 2025
Am Anfang ist alles wunderbar
"Am Anfang ist alles wunderbar. Und dann bin ich immer fassungslos, dass es wieder zerbricht und in Schmerz endet! Eigentlich will ich mir das nicht mehr geben. Da bleibe ich lieber alleine."
Das Angebot an potentiellen Partnerinnen ist grenzenlos – und der Frust über misslungene Dates und kurze Miteinander ebenso.
Kennen Sie den Gedanken „Bevor ich wieder jemanden date, der sich als Reinfall entpuppt, bleibe ich doch lieber alleine!“
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie jemanden treffen, der alte Wunden aufreisst und Sie alte Erfahrungen wiederholen lässt. Eine gesunde Beziehung zu finden und aufrechtzuerhalten kann eine echte Herausforderung sein, an der Sie wachsen können.
Wie können Sie sich besser vorbereiten, so dass Sie frühzeitig erkennen, ob die Person, die Sie daten zu Ihnen passt oder nicht?
Nehmen Sie sich etwas Zeit und Ruhe und schauen Sie erstmal auf sich. Fragen Sie sich mal ehrlich, was Sie eigentlich von einer Beziehung erwarten?
- Wenn Sie zurückschauen auf vergangene Beziehungen, wann fühlten Sie sich am meisten geliebt? Was hat Sie am meisten frustriert?
- Was sind Ihre Erwartungen an eine Beziehung?
- Was suchen Sie bei einer Partnerin?
- Was brauchen Sie nicht?
Werfen Sie einen Blick zurück in Ihre Kindheit und versuchen Sie herauszufinden, welchen Bindungsstil Sie entwickelt haben. Und hierbei geht es nicht darum, sich in eine Schublade zu stecken, sondern gewisse Tendenzen ausfindig zu machen. Natürlich sind Sie mehr als ein Bindungslabel. Und natürlich zeigen Sie sich je nachdem wie Ihr Gegenüber sich Ihnen präsentiert auch anders.
Sicher gebundene Menschen zeigen sich warm, mitfühlend und ruhig. Sie erlauben Ihnen sich sicher zu fühlen, um sich wirklich nahe zu kommen und verletzlich zu zeigen.
Ängstlich gebundene Menschen brauchen viel Rückversicherung, reagieren emotional. Sie suchen die Nähe, um sich verbunden zu fühlen.
Vermeidend gebundene Menschen fürchten nichts mehr als zu viel Liebe gezeigt zu bekommen. Sie scheuen Intimität, weil Sie Angst haben, abgelehnt zu werden, so wie sie es als Kinder bei ihren Eltern erlebt haben, wenn sie emotional waren. Für ihre Eltern zählte nur Leistung. Sie haben oft eine negative Sicht von sich selbst und glauben die Liebe nicht zu verdienen. Um sich zu schützen bauen sie Distanz auf. Sie haben nicht gelernt wie emotionale Verbindung, Streit und Wiedergutmachung funktionieren. Sie brauchen viel Raum für sich und halten mit Informationen über sich und ihre Emotionen hinter dem Berg. Sie vertrauen nicht leicht. Sie nicht gut darin emotionale Unterstützung zu geben. Nach außen hin können sie selbstbewusst wirken.
Der Knackpunkt in der ersten Phase der Verliebtheit sind die chemischen Botenstoffe (Adrenalin, Dopamin und Oxytocin), mit denen Ihr Gehirn durchflutet ist. Sie können sich so gut anfühlen, dass Sie red flags leichtherzig übersehen. Wie sehr Sie auf diese Botenstoffe anspringen hat auch damit zu tun, was Sie als Kind bekommen oder nicht bekommen haben. Wenn Sie überwiegend Liebe, Anerkennung und Zuwendung nicht bekommen haben, ist Ihr Gehirn nicht mit diesen Botenstoffen versorgt worden. Wenn Sie nun auf jemanden treffen, der sich extrem um Sie bemüht, im schlimmsten Fall Sie mit „love bombing“ für sich gewinnen will, dann sind Sie extrem anfällig dafür.
Was können Sie tun, um nicht blind vor Liebe zu sein?
Zunächst einmal machen Sie sich bewusst, dass in dieser ersten Phase Ihr Gehirn nicht im Normalzustand ist. Nehmen Sie sich im Nachgang Zeit, die Begegnung zu reflektieren, versuchen Sie ehrlich mit sich zu sein. Hat er die ganze Zeit nur schlecht über seine Ex-Partnerinnen gesprochen? Wie geht er mit anderen Menschen um, zum Beispiel der Bedienung in der Location, in der Sie sich treffen? Sind immer alle anderen Schuld an seiner Misere? Teilen Sie seine Werte? Oder sind Sie manchmal irritert über das, was er sagt? Kann er Blickkontakt halten oder weicht er Ihnen dauernd aus? Können Sie mit ihm über Ihre und seine Gefühle reden? Hat er Verbindungen auch außerhalb des Arbeitskontextes? Und vor allen Dingen: Machen Sie langsam. Nehmen Sie sich Zeit ihn wirklich kennenzulernen. Die Dinge entfalten sich erst mit ein wenig Zeit. Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht in der Beziehung verlieren. Behalten Sie Ihr eigenes Leben im Blick. Fangen Sie nicht an, alles von der Agenda zu streichen, um mit ihm zusammen zu sein. Holen Sie auch Meinungen von Freunden und Ihrer Familie ein. Erzählen Sie von der neuen Begegnung und bitten Sie sie um ehrliches Feedback.
Wenn Sie unsicher sind, wie Sie erste Anzeichen einer ungesunden Beziehung erkennen können und Angst haben, sich wieder in etwas toxischem zu verlieren, schreiben Sie mir gerne an
kontakt@paartherapie-badnauheim.de. Gerne schauen wir uns gemeinsam in sicherer Umgebung an, was Sie anders machen können.
Ihre Birgit Rolf
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